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Was ist Leid?

Leid ist ein sehr wichtiges Thema, wenn es darum geht, Entscheidungen für ein Tier treffen zu müssen. Es bezieht sich dabei nicht nur auf den Bereich Sterben/Einschläfern, sondern es geht um alles, was wir für die Tiere entscheiden müssen, die in unserem Verantwortungsbereich leben.

Das Tier in der Natur trifft seine Entscheidungen autonom, weil es frei ist. Domestizierte Tiere sind nicht frei und es obliegt unserer Verantwortung, für sie so zu sorgen, dass es ihrem Wesen gerecht wird und sie die "Unfreiheit" nicht als Einschränkung empfinden, sondern als Wohltat. Im Wesentlichen reden wir ja über Hunde und Hunde sind, mit Ausnahme von Straßenhunden, vom Wesen her eher schon auf den Menschen hin orientiert. Dadurch sind bei ihnen auch bestimmte Instinkte in den Hintergrund gerutscht, was in manchen Bereichen angenehm für den Besitzer ist, in anderen Bereichen aber auch sehr störend sein kann, vor allem wenn es um Sozialverhalten mit anderen Hunden geht.

Wenn wir also Hunde haben, dann bedeutet das nicht automatisch, dass wir sie ihrer Freiheit beraubt haben und sie im Wald besser aufgehoben wären. Bei Wölfen ist das klar anders und bei echten Straßenhunden auch. Bei Straßenhunden muss man allerdings auch unterscheiden und genauer definieren, denn nicht jeder Hund, der auf der Straße lebt ist auch ein Straßenhund! Als Straßenhunde kann man nur Hunde bezeichnen, die seit Generationen dort leben, wild sind, den Menschen meiden und sich ähnlich den Wölfen eine eigene Struktur bzgl. Lebensraum und Sozialverhalten geschaffen haben. Platt ausgedrückt ist der Straßenhund eine Art Wolf, der in der Nähe von Menschen und in der Zivilisation lebt. Während der Wolf eher ein Zivilisationsflüchter ist, ist der Straßenhund ein Zivilisationsfolger. Diese Einteilung kennt man in der Biologie ohnehin was "wilde Tiere" angeht.

Findet man einen Hund auf der Straße, so kann er sich ganz schnell zum Sofa- und Schmusehund entwickeln, weil er eben ausgesetzt wurde und genetisch gesehen kein Straßenhund ist. Andersherum wird man einen echten Straßenhund niemals in einer Wohnung und bei Menschen glücklich machen können.

Was bedeutet Leid?
Natürlich kann das niemand wirklich wissen, weil wir keine Hunde sind. Aber wir können mit unseren Hunden kommunizieren/reden, wir Menschen besitzen – üblicherweise – ein mehr oder minder hohes Maß an Empathie und wenn man sehr lange mit unterschiedlichsten Hunden zusammenlebt, dann sollte es auch möglich sein, sich dem Begriff Leid ein wenig zu nähern.

Ein Grundproblem liegt darin, dass wir Menschen dazu neigen, alles was wir empfinden können, in gleicher Form auf den Hund zu übertragen. Wir versetzen uns in seine Situation und entdecken, dass WIR da leiden würden ... folglich leidet der Hund in der Situation auch. Dem ist aber definitiv nicht so. Zu bedenken bleibt auch, dass selbst unter Menschen keine einheitliche Definition von Leid besteht – mal von Extremen abgesehen, bei denen man sich einig ist, was Leid bedeutet. Diese Extreme lassen sich dann auch einvernehmlich für Tiere/Hunde definieren. Natürlich leidet ein Hund z.B. wenn er gequält wird. Über Extreme muss nicht diskutieren werden, denn die liegen klar auf der Hand.

Was ist mit Schmerzen?
Wenn wir Menschen Schmerzen haben, dann leiden wir und greifen zur Pille, weil wir unser Leid abstellen wollen. Hunde aber nehmen Schmerzen anders wahr als Menschen – wie gesagt reden wir jetzt nicht von Extremen. Schmerzen bedeuten für einen Hund/Wolf grundsätzlich Lebensgefahr. Würde sich ein Hund/Wolf auf seine Schmerzen konzentrieren, würden sie ihn so sehr beeinträchtigen, dass er nur noch eingeschränkt jagen könnte und wahrscheinlich auch wenig Erfolg dabei hätte. Er würde im Rudel seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können und immer mehr an den Rand gedrängt, was letztlich zu seinem Tod führen würde.

Hunde/Wölfe haben generell eine "Funktion" in ihrem Gehirn, die es ihnen ermöglicht, Schmerzen auszublenden, denn Schmerzen haben bei Mensch und Tier ja nur eine einzige Funktion, nämlich den Hinweis auf ein Problem im Körper. Der Hund nimmt das zur Kenntnis und blendet den Schmerz dann aus, denn wichtiger als der Schmerz ist für ihn das Überleben. Damit leidet der Hund dann auch nicht mehr unter dem Schmerz, denn das Leid würde entstehen, wenn er Angst um sein Überleben haben müsste, weil der Schmerz zu sehr dominiert. Natürlich kann das auch passieren, bei schweren Verletzungen oder Erkrankungen. Dann kann auch ein Hund den Schmerz nicht mehr ausblenden. Es beginnt ein sehr komplexer Prozess, der einerseits die Selbstheilungskräfte zu aktivieren versucht und andererseits bereits eine Vorbereitung auf das Sterben einleitet. Beides ist aber nicht als Leid im menschlichen Sinne definieren.

Ein simples Beispiel: auch ein Wolf oder wilder Hund kann HD bekommen, sich ein Bein brechen oder in eine Trittfalle geraten. Wölfe z.B. neigen dazu, sich dann das ohnehin unbrauchbare Bein in der Trittfalle abzubeißen und sich so zu befreien. Den Schmerz blenden sie aus, denn der Überlebenstrieb ist stärker als alles andere. Ist das Bein ab und das Tier wieder frei, wird es sehr schnell lernen mit 3 Beinen zurecht zu kommen und auch mit Behinderung perfekt zu jagen.

Man kann also sagen, dass Hunde mit Behinderungen sich sehr schnell adaptieren und keineswegs leiden. Wenn ein Hund mit seiner Behinderung im Alter dann nicht mehr leben möchte, weiß er sehr wohl, wie er sich verhalten muss und wie er seinen Weg findet, einschläfern ist also nicht angesagt.

Was ist mit systemischen und organischen Krankheiten?
Prinzipiell ist es nicht anders, nur sind da die Möglichkeiten der Adaption geringer und die Hunde/Wölfe gehen etwas anders damit um. Prinzipiell können Hunde die Tatsache einer Erkrankung wesentlich besser annehmen als wir Menschen. Für den Hund gehören Gesundheit UND Krankheit zum Lebenszyklus und er empfindet es als etwas Natürliches. Wilde Tiere (auch Wölfe) haben ein gewisses Grundwissen an Naturheilkunde und sind durchaus in der Lage, passende Kräuter, Rinde, Wurzeln etc. zu suchen und gezielt zu essen, die ihnen helfen, eine Erkrankung zu überwinden. Sie sind außerdem Meister in der Aktivierung von Selbstheilungskräften und wissen sehr genau, wie sie sich verhalten müssen um gegebenenfalls wieder zu genesen. Finden sie keine geeigneten Hilfsmittel so akzeptieren sie dies und stellen sich auf den Tod ein. Als Leid empfinden Tiere das nicht, sondern als einen ganz natürlichen Vorgang im Zyklus aus leben und sterben.

Nur wenn man Tiere aus diesem Zyklus reißt – auch weil man es gut meint und alles tun möchte – beginnt das wahre Leid für ein Tier.
Wir dürfen niemals den Fehler machen, unsere Definition von Leid auf ein Tier zu übertragen und dann versuchen wollen, sein Leid zu lindern. Es wird uns nicht gelingen! Wir sollten nie vergessen, dass Tiere wesentlich mehr "bei sich sind" oder anders gesagt "authentischer" sind als wir Menschen. Pulga, gebrochenes Rückgrad - heute glücklich auf vier Pfoten.

Natürlich ist auch klar, dass wir unseren Tieren niemals alle nur erdenkliche Hilfe verweigern dürfen, denn sie leben ja nun mal nicht in der Natur und daher sind ihre Möglichkeiten eingeschränkt. Der entscheidende Punkt ist, dass wir unsere menschlichen Definitionen ausblenden und intensiv versuchen, unser Tier zu verstehen, die Welt mit seinen Augen zu sehen und zu erfassen, welche Bestimmung für es in der jeweiligen Situation angesagt sein mag. Wir müssen dazu nur unsere Intuition aktivieren, auf unsere innerste Stimme hören, die Gedanken ausschalten und uns darüber klar sein, dass unsere Gedankenwelt ein Sammelsurium aus Prägungen ist, dass man uns künstlich im Laufe unseres Leben eingebrannt hat. Wenn wir wirklich Verantwortung für unsere Tiere übernehmen wollen, müssen wir beginnen an uns selbst, unseren inneren Dogmen und unseren Normen zu arbeiten. Diese Arbeit beginnt beim Erkennen und führt dann zu einem Hinterfragen dieser Dogmen. Es ist ein schwieriges Unterfangen, doch unsere Tiere sollten es uns wert sein.

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(c) Naturschutzprojekt “Leben” e.V.