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Werte im Tierschutz

Es ist interessant zu beobachten, wie schwer es ist, ethische Werte zu kommunizieren. Was ist eigentlich wichtig im Leben und was wird nur von Medien und Konsum übergestülpt? Man arbeitet sich an Formulierungen ab und verliert den Blick auf das dahinter stehende Problem. Die Wahrnehmung der Gesellschaft wird von Klischees geprägt, manipuliert und die Menschen neigen immer mehr dazu, sich in Klischees zu verlieren. Paradox ist, dass es in einer aufgeklärten Gesellschaft genau anders herum sein sollte.

Tierschutz muss offenbar in seiner Öffentlichkeitswirkung auf sehr simple und leicht eingängige Geschehnisse reduziert werden, damit man Menschen überhaupt erreicht.

Warum das so ist, lässt sich nur vermuten: manche empfinden es als absurd, ein Lebewesen zu retten, dass eigentlich auf den Teller gehört. Lebewesen werden offenbar in 2 Kategorien eingeteilt: das Schmusehaustier = Katze, Hund, Meerschweinchen, Hamster, Hase etc. und Verbrauchstiere = Schwein, Ferkel, Kuh, Kälbchen, Hühner etc. Die eine Kategorie hat es verdient zu leben und mit der rennt man auch zum Tierarzt und wendet viel Geld auf, damit der liebe Kleine gesund bleibt oder wieder wird. Die andere Kategorie kauft man an der Theke und lässt sich von der Verkäuferin auch noch beraten.

Als barbarisch aber sehen wir Kulturen an, in denen man Hunde und Katzen auf den Grill schmeißt, warum eigentlich?
Lebewesen sind Lebewesen und tragen allesamt eine Seele in sich. Das Lasagne-Pferd in Rumänien leidet nicht mehr als das Huhn im Käfig oder das Schwein in den Massenställen. Lebewesen zu töten und das noch unter unsäglich qualvollen Bedingungen, steht dem Menschen nicht zu. Das betrifft die Haltung logischerweise ebenso. Alle Lebewesen sind gleich viel wert und sie verdienen nicht minder Unterstützung.

Wenn eine Gesellschaft die Achtung vor dem Leben verliert oder aber sich auf den gefährlichen Pfad der Differenzierung begibt, was wertes und was unwertes Leben ist, dann ist Wachsamkeit geboten. Das Leben an sich ist der Wert und das Leben an sich ist nicht differenzierbar. Überschreitet man die rote Linie und bewertet Leben, greift man in die Natur tiefer ein, als es dem Menschen als Teil der Natur wirklich zusteht. Unsere Umweltprobleme und das Artensterben sind bereits die roten Lampen, die eigentlich bei jedem angehen müssten. Wir betrauern das Aussterben der Eisbären, schießen aber Bären und Wölfe ab, wenn sie in unsere Nähe kommen. Das ist Differenzierung und Bewertung von Leben und genau DAS ist verhängnisvoll.

Werte im Tierschutz
Das Problem bei den diversen Tierschutzkonzepten ist, dass man sich sehr schnell vom Strudel des Leids erfassen und mitreißen lässt. Angesichts kaum fassbaren Leides, speziell bei Hunden, Katzen und Pferden/Eseln, ist man immer geneigt, aufzunehmen was das Zeug hält, weil man meint, damit geholfen zu haben. Ist diese Hilfe aber auch nachhaltig? Darüber macht man sich wenig Gedanken. Dass es nicht wirklich wichtig ist, wird vom Verhalten der Spender und Fans eines Projektes auch noch befeuert. Die Internetwelt ist sehr schnelllebig UND sie lebt vom Nervenkitzel ... sozusagen der interaktiven Reality Soap. Was will der potentielle Spender sehen? Er will auf jeden Fall aufregende Stories, er will mitleiden, er will mitfiebern und er will gegebenenfalls auch gerne mitweinen. Das alles aus sicherer Distanz.

Dramen als Entertainment
Was macht nun der Tierschützer angesichts einer derartigen "Fankultur"? Er generiert ein Drama nach dem anderen, eine Neuaufnahme nach der anderen und hält so seine Fans bei der Stange. Es ist die neue Qualität des Entertainments. Ist das noch Tierschutz? Nachhaltigkeit ist im Tierschutz bisweilen zwar verbal gefragt, wird aber nicht gelebt und es wird auch nicht gewürdigt. Klar wird es nicht gewürdigt, denn Nachhaltigkeit ist schwer in ein Entertainmentformat zu bringen. Wenn interessiert es zum Beispiel schon, wenn vor 15 Jahren 3 Pferde aus unsäglicher Haltung befreit und mühsam aufgepäppelt und enttraumatisiert wurden? Dass diese Pferde irgendwann wieder gelernt haben, Menschen zu vertrauen, dass diese Pferde frei und ohne jeglichen Zwang leben können und wirklich glücklich sind ... das ist heute nicht mehr wirklich spannend. So etwas merkt man dann an den Reaktionen, wenn mal wieder über sie berichtet wird, es juckt niemanden.

NACHHALTIGKEIT ist aber genau das, was Tierschutz erst zu einer die Tiere schützenden Aktivität werden lässt!
Es kann nicht angehen, dass Dramen hoch bewertet werden und sich die Fans mit Lobeshymnen überschlagen, weil ein kranker Hund aufgenommen wurde. Dieselben Fans aber interessiert es wenig, was aus dem Hund 6 Monate später geworden ist. Es interessiert nicht, ob er noch lebt, ob er gesund geworden ist, WIE er lebt. Er ist längst vergessen.

„Eine positive Meldung ist keine Meldung“
Zieht man dann daraus die passenden Schlussfolgerungen, wird schnell klar, wie man agieren muss um genügend Fans und damit genügend Spenden zu bekommen. Für Nachhaltigkeit ist da kein Raum.
Es kommt aber darauf an, dass man sich bei jeder Neuaufnahme erst einmal überlegt, ob man das Geforderte überhaupt leisten kann. Hat man die Ressourcen, hat man das Setting, hat man die finanziellen Möglichkeiten? Das sind die Grundfragen. Wenn man diese in bestimmten Fällen mit NEIN beantworten muss, dann darf man den Hund auch nicht aufnehmen, denn man kann ihm nicht wirklich helfen.

"Für manchen Hund wäre es besser, gestorben zu sein."
Das ist ein harter Satz, aber leider ein sehr wahrer Satz, wenn man manche Fälle sieht, die zwar aufgenommen werden, aber dann unter die Räder kommen. Man muss sich immer vor Augen halten, dass das Elend unglaublich groß ist und man es wohl nie ganz in den Griff bekommen wird. Man kann nie alle Tiere retten, das ist eine Binsenweisheit, ABER die, die man rettet, sollte man dann auch wirklich retten und zwar eben NACHHALTIG.

Ein Beispiel: man rettet einen aggressiven Ketten- oder Kampfhund, der eingeschläfert werden soll. Der Hund kommt und ist kaum zu bändigen. Also was bleibt zu tun? Man baut einen Zwinger und setzt ihn da rein. Dann reinigt man den Zwinger täglich, gibt ihm Futter und hofft, dass er einen nicht packt. Ansonsten bleibt er sich selbst überlassen, weil er ja aggressiv ist. Okay, der Hund lebt, aber wie lebt er, was für ein Leben ist das? Warum macht man nicht mehr mit diesem Hund, um ihm nachhaltig zu helfen und ihn wirklich zu retten? Ganz einfach: man hat 200 Hunde in seinem Tierheim, hat massig Arbeit, weiß nicht wo einem der Kopf steht und hat nicht die Zeit, tagtäglich monatelang intensiv mit dem Tier zu arbeiten. Der Hund in seinem Zwinger tut einem leid, aber was soll man machen, die Umstände stehen gegen einen. Okay, man kann dann das eigene Überfordert-Sein noch medienwirksam ausschlachten und Mitleid erheischen. Am Ende kommt man zu dem Entschluss, dass es doch besser wäre, ihn zu erlösen, denn er hat ja keine Lebensqualität, oder aber man vermittelt ihn an einen Bauern in der Nähe, der gerade einen Kettenhund zum Aufpassen sucht. Dann muss man ihn wenigstens nicht "erlösen". Das ist keine graue Theorie, es ist auch keine Ausnahme, es ist das was tagtäglich bei Organisationen passiert.

Wenn man weiß, dass man keine Möglichkeit hat, sich um einen derartigen Hund zu kümmern, muss man die Aufnahme verweigern, so hart das sein mag. Tut man es nicht, dann hilft man weder dem betroffenen Hund, noch den Hunden, die man eh schon hat. Indem man sich übernimmt, entzieht man den Tieren, die man bereits hat, seine Energie und Hilfe. Doch das sind ja die Tiere für die man schon verantwortlichDenken Sie anders! ist! Diese Sicht der Dinge kann man nun auf alle Bereiche der Neuaufnahmen übertragen. Man kann keinen behinderten Hund aufnehmen, wenn man die Zeit oder die Möglichkeiten für die Physiotherapie nicht hat. Man kann keine Flaschenwelpen aufnehmen, die alle 2-3 Stunden das Fläschchen brauchen, wenn man gleichzeitig noch 200 Hunde versorgen muss, 5 in der Physiotherapie hat und 5 alte Hunde, die Pflegefälle sind. Das ist eigentlich für jeden vernunftbegabten Menschen auch einzusehen, nicht aber für den Fan und potentiellen Spender.

Es muss ein Umdenken stattfinden.
Es muss Bewusstsein geschaffen werden, dass ein aufgenommener Hund auch nach 6 Monaten noch interessant ist und der Verein auch dann noch Unterstützung braucht, wenn der Nervenkitzel vorbei ist und die Tränen des Mitfieberns getrocknet sind. Wenn Tierschutz mit Blick auf die Spenden nur noch Entertainment sein darf, dann läuft etwas gewaltig schief. Ursache dafür sind die Fans und nicht die Vereine. Vereine zum Umdenken zu bewegen kann nur der Fan und Spender schaffen. ER kann nach 3 Monaten nachfragen: "was ist eigentlich aus Hund XY geworden?". ER kann die Vereine durch sein nachhaltiges Interesse zum Umdenken bewegen und damit sehr viel für die Tiere tun, auch vom warmen Wohnzimmer aus.

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(c) Naturschutzprojekt “Leben” e.V.